Was tun bei Schädlingsbefall an meinen Kübelpflanzen?

1. Spinnmilben
Die Spinnmilben (Tetranychidae) sind eine ca. 1200 Arten umfassende Familie innerhalb der Unterklasse der Milben. Sie haben eine mehr oder weniger ausgeprägte birnenförmige Gestalt und werden 0,25 bis 0,8 mm groß. Ihre Körper können gelblich, grünlich, orange oder rot („Rote Spinne“) gefärbt sein. Die erwachsenen Tiere besitzen vier, die Larven drei Beinpaare. Mit bloßem Auge kann man die Tiere anfänglich nur schwer erkennen. Das Schadbild am Beispiel des Oleanders: Ein Befall mit Spinnmilben zeigt sich durch feine helle Blattsprenkelungen beginnend entlang des Mittelnervs, die Blätter werden weiß-gelblich, erscheinen teilweise silbrig-schimmernd bis mattgrün und vergilben schließlich. Die meisten Spinnmilben saugen auf der Blattunterseite, später ist das gesamte Blatt befallen. Die jungen Blätter an den Sprossspitzen krümmen sich in typischer Weise. In späteren Stadien findet man feine Gespinste und im Extremfall sind ganze Triebspitzen und Blattachseln von einem Gespinst überzogen, in dem man mit bloßem Auge unzählige Tiere erkennen kann. Es kommt weiterhin zum Blattfall und somit zum Verkahlen der Pflanze.

Nicht selten tritt ein gleichzeitiger Schildlausbefall auf. Der Zierwert der Pflanze wird stark eingeschränkt. Die durch die Saugtätigkeit der Spinnmilben hervorgerufenen Blattveränderungen sind irreversibel. Bei anderen Kübelpflanzen sind die Symptome ähnlich, manchmal aber auch schwerer erkennbar. Häufig werden zum Beispiel Citrus-Arten, Buchsbaum und Hibiskus befallen.

2. Schildläuse
Die Schildläuse oder Coccoidea sind eine artenreiche Überfamilie (ca. 3000 Arten) und gehören zu den Pflanzenläusen. Sie erreichen eine Körperlänge zwischen 0,8 und 6 mm, wobei z. B. die australische Wollschildlaus 18 mm erreichen kann. Alle Schildläuse ernähren sich von Pflanzensaft. Mehre Schildlausfamilien wie die Deckelschildläuse, Napfschildläuse sowie Woll- und Schmierläuse können ein Problem auch für Kübelpflanzen darstellen. Oleander werden gelegentlich von der Oleanderschildlaus, einer Deckelschildlaus befallen. Auch andere Schildlausarten können bei Oleandern und anderen hartlaubigen Kübelpflanzen (Lorbeer, Citrus, Ölbaum, Palmen) die Pflanzen nicht nur durch ihre Saugtätigkeit schädigen. Viele Pflanzenläuse scheiden einen klebrigen Saft („Honigtau“) aus. Davon angezogene Ameisen sind oft ein Indiz für Läusebefall. Durch das Ansiedeln des sich vom Honigtau ernährenden Rußtaupilzes wird der Zierwert der Pflanze stark eingeschränkt. Die Blätter wirken wie mit Ruß bestäubt.

3. Andere saugende Insekten
Blattläuse findet man gelegentlich an jungen Trieben verschiedener Kübelpflanzen. Die leichter als Schildläuse zu bekämpfenden Insekten können grün, schwarz oder sogar gelblich-orange wie die Oleanderblattlaus gefärbt sein. Auch hier können Honig- und Rußtau sowie Ameisen auftreten. Einem leichtern, anfänglichen Befall kann man oft schon durch Schnitt, einem starken Wasserstrahl oder dem Abstreifen mit den Fingern begegnen. Oft lösen sich bald einstellende Marienkäfer das Problem. Seltener treten Mottenschildläuse („Weiße Fliege“), Blattflöhe (bei Buchsbaum und Ölbaum), Weichwanzen (bei Engelstrompeten, Fuchsien und Wandelröschen), Minierfliegen (an Strauchmargeriten) und Thripse auf. Im Winterquartier sind auch diese Tiere häufiger.

4. Bedingungen für das Auftreten von Schädlingen
Wasser- und/oder Nährstoffmangel, ein nicht geeigneter Standort, ungeeignetes Pflanzsubstrat oder Überdüngung sind einem Schadorganismenbefall förderlich. Die Überwinterung an einem zu warmen und lichtarmen Standort kann z. B. schnell zu einer Massenvermehrung von Spinnmilben führen. Viele Kübelpflanzen so auch der Oleander wünschen einen freien vollsonnigen Stand. Er sollte niemals austrocknen und wöchentlich gedüngt werden. Das Substrat muss mineralische, strukturstabile Komponenten enthalten und einen eher neutralen Säuregrad aufweisen. Handelsübliche reine Torfsubstrate besonders aus dem unteren Preissegment sind gänzlich ungeeignet. Im Gegensatz zu vielen anderen Kübelpflanzen verträgt Oleander kalkreiches und damit hartes Wasser gut. Oleander auf Balkonen, an Hauswänden unter dem Dachüberstand und an absonnigen Standorten werden bevorzugt befallen. Für andere Kübelpflanzen gilt ebenso: Werden die jeweiligen Bedürfnisse der Pflanzen berücksichtigt, hat man in der Regel mit Spinnmilben und anderen Schädlingen kaum Probleme.

5. Pilzliche Erkrankungen
Im Vergleich zu tierischen Schadorganismen ist mit Pilzbefall bei Kübelpflanzen im Freiland seltener zu rechnen. Am häufigsten: Gelbe Strauchmargariten können vom Echten Mehltau (weißlicher Belag au der Blattoberseite), Fuchsien vom Fuchsienrost (Blattflecken, auf der Blattunterseite orangefarbene Sporenlager, Blattfall) befallen werden. Während Echter Mehltau bei schönem Wetter auftritt, ist das Auftreten anderer Pilzkrankheiten bei regnerischem Wetter besonders häufig. So leiden besonders gefülltblütige Oleander an der Grauschimmelfäule (Botrytis), die zunächst verblühte, dann gesunde Blüten und schließlich auch die Triebspitzen befällt. Ausputzen hilft! Völlig kranke Knospenstände werden herausgebrochen, bitte nicht schneiden! Abgeblühte und ausgeputzte gesunde Blütenstände am Oleander belassen, sie blühen im Folgejahr erneut! Im Winterquartier können pilzliche Erkrankungen wie z.B. das Triebsterben des Oleanders (Ascochyta) ein großes Problem darstellen. Durch Pilze hervorgerufene Wurzel- oder Triebfäulen (Phytophtora, Fusarium, Verticillium u.a.) spielen zum Glück eine geringe Rolle und werden durch Pflegefehler (Staunässe, Überdüngung, ungeeignetes Topfsubstrat) begünstigt. Bei Hibiskus und Wandelröschen wurden derartige Schäden, die oft erst im Winterquartier zur Ausprägung kommen, festgestellt.

6. Bakterielle Erkrankungen
Fast alle Oleander sind mit einem Bakterium der Gattung Pseudomonas infiziert. Die Symptomatik des so genannten Oleanderkrebses ist sehr vielfältig. Wucherungen an Trieben und Knospen, erhabene, aufbrechende Blattflecken sowie deformierte, schwarz werdende Knospen und Früchte (Cashewnuss-Form) können den Zierwert und die Vitalität stark beeinträchtigen. Bei Ölbäumen (Oliven) treten gelegentlich von einem nahe verwandten Bakterium hervorgerufene Wucherungen an den Trieben auf.

7. Bekämpfung
Optimal gepflegte Pflanzen an ihnen zusagenden Standorten werden nur selten befallen.
Bei Befall: Je frühzeitiger man mit der Bekämpfung beginnt, desto größer ist der Erfolg. Ist jedoch die Pflanze komplett befallen und weisen die Blätter einen mit der Saugtätigkeit verbundenen hohen Blattgrünverlust auf, so hilft nur noch ein beherzter Totalrückschnitt, falls die Pflanzenart dies auch zulässt. Das gilt ebenso für stark von Schildläusen befallene Pflanzen. Im Handel gibt es eine Reihe Spinnmilbenbekämpfungsmittel (Akarizide), Insektenbekämpfungsmittel (Insektizide) oder Kombinationspräparate, die bei rechtzeitiger und wiederholter Anwendung (ggf. Mittel/Wirkstoff wechseln!) Abhilfe schaffen können. Mittel auf Rapsöl- und/oder Neembasis sind ökologisch unbedenklich, können aber bei weichlaubigen Pflanzen Schäden verursachen. Auch gegen pilzliche Erkrankungen gibt es eine Vielzahl Mittel (Fungizide), wobei zu beachten ist, dass je nach Präparat eine vorbeugende, das Keimen der Pilzsporen hemmende oder eine den Pilzbefall stoppende (heilende) Wirkung erzielt wird. Von Pseudomas befallene Triebe der Olive und des Oleanders schneidet man großzügig heraus. Befallene Blüten- und Knospenstände des Oleanders herausbrechen, nicht schneiden!

Wichtig: Lassen Sie sich fachkundig beraten und lesen Sie sich aufmerksam die Gebrauchsanweisungen durch!

Gern beantworte ich Ihre Fragen.

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